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Sterben ist ein Teil des Lebens
Wie Ratgeber und Bücher helfen, mit Tod und Trauer umgehen zu lernen
Von epd-Redakteurin Rieke C. Harmsen
München (epd). "Warum muss er sterben? Warum trifft es mich? Ich habe Angst" - so umschreibt die Theologin Renate Klingler die Gefühle von Menschen, die damit konfrontiert werden, dass ein ihnen nahe stehender Mensch sterben wird oder gestorben ist. Sterben gehört zum Leben - das ist die Überzeugung und und zugleich der Buchtitel eines Ratgebers, den die Pfarrfrau jetzt im Hänssler-Verlag in Holzgerlingen (5,95 Euro) herausgegeben hat.
Einfühlsam schildern darin verschiedene Autoren, wie sie beispielsweise das Sterben der dementen Mutter begleiten, den Tod als Hospizmitarbeiterin oder als Arzt in einem Krankenhaus erleben. Auch den Trauer-Prozess, der fünf Phasen umfasst, beschreibt die Autorin. So folgen nach einer ersten Schutzreaktion, die gekennzeichnet ist durch das Verneinen und leugnen des Todes, Protest und Zorn.
Meist versuchen die Betroffenen dann, mit dem Tod nachträglich zu "verhandeln" und versinken häufig in Depression, Trauer und Schuldgefühle. Dann sind, so Klingler, "aufrichtige Begleiter besonders nötig". Erst wenn es den Menschen gelinge, den Tod zu akzeptieren und "einzuwilligen", könne die Beziehung zum Verstorbenen eine neue Qualität bekommen.
"Trauer ist ein Prozess, der heute zur Privatsache geworden ist" meint die Hamburger Heilpraktikerin Claudia Cardinal. In ihrem Buch "Trauerheilung - Ein Wegbegleiter" (Patmos Verlag Düsseldorf, 16 Euro) schildert die Autorin deshalb nicht nur unterschiedliche Lebenssituationen, in denen ein Kind, ein Elternteil oder ein Partner plötzlich nicht mehr da ist, sondern gibt ganz konkrete Ratschläge zur Bewältigung dieser Situation.
Wie sehr Tod und Trauer zur "Privatsache" geworden sind, bei der die Menschen um individuelle Hilfestellung suchen, belegen auch die über 230 Einträge in dem Internet-Buchhandel "amazon" unter dem Stichwort "Trauer". Zwar sind dort Romane, Foto-Bildbände, wissenschaftliche Studien zum Thema verzeichnet - doch überwiegt der Ratgeber-Anteil bei weitem.
Zielgruppengerecht beschäftigen sich die Ratgeber mit den Sorgen und Nöten trauernder Eltern, Frauen, Männer, Erzieherinnen oder Pflegende. Eines der brisantesten Themen ist der Titelzahl nach zu urteilen der Tod von Kindern. In "Briefe an Sigrid" (Claudius Verlag München, 12,70 Euro) hat beispielsweise die Autorin Margret Röckner den tragischen Unfalltod ihrer Tochter verarbeitet. Denn, so ihre Erfahrung: "Gerade am Anfang hat man häufig das Gefühl, verrückt zu werden".
Um Totgeburten oder den Tod eines Kindes unmittelbar nach der Geburt geht es in "Wenn die Wiege leer bleibt - Hilfe für Trauernde Eltern" (Ehrenwirth Verlag, 14,90 Euro). Das Buch, das authentische Fallbeispiele schildert, möchte den Autoren, der Journalistin Sabine Bode und dem Bestatter Fritz Roth zufolge Verständnis schaffen für ein "immer noch tabuisiertes Thema" und Mut machen, die Trauer offen zu leben und den Abschied bewusst zu gestalten.
Ob Tabuthema oder nicht - eines ist den meisten Ratgebern gemeinsam. Sie empfehlen immer wieder ein Gespräch über die Trauer mit Angehörigen, Freunden oder einem Seelsorger. Denn schließlich ist, wie es die Theologin Renate Klingler formulierte, Sterben ein Teil des Lebens. (24.10.02)
Beachten Sie auch den Sonntagsblatt-Beitrag der Serie "Wenn Kinder sterben": Wenn das Gewebe zerreißt
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