Reaktionen auf protestantischer Seite
Präses Manfred Kock, Vorsitzender des Rates der EKD:
"Die Zeichen aus Rom stehen auf Stillstand. Mehr noch: Sie bedeuten die Verfestigung des traditionellen Selbstverständnisses der römisch-katholischen Kirche und einen Rückschlag für das ökumenische Miteinander in versöhnter Verschiedenheit. [...] Die Erklärung kommt, was den Inhalt angeht, nicht überraschend. Dass die römisch-katholische Lehre von der Kirche, weit über alle Differenzen in anderen Fragen hinaus, das größte Hindernis für die Vertiefung der Gemeinschaft mit den Kirchen der Reformation bildet, konnte keinem Kundigen verborgen bleiben." [...] Die Zukunft der Kirche wird eine ökumenische sein. Das entspricht der Verheißung Jesu Christi, und es entspricht - in Deutschland ebenso wie an anderen Orten - den praktischen Notwendigkeiten von Zeugnis und Dienst der Kirche. Darin kann uns auch die Kongregation für die Glaubenslehre nicht irremachen. [...]"
(05.11.2000 epd-Dokumentation 39/00)
Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers, Margot Käßmann:
"Wir lassen uns unsere kirchliche Existenz nicht von der katholischen Kirche in Rom absprechen, während wir gleichzeitig in Deutschland entschlossen Schritte aufeinander zugehen. [...] Wer Kirche Jesu Christi ist, entscheidet nicht die Kongregation für die Glaubenslehre der katholischen Kirche, sondern nach evangelischem Verständnis die Bibel. [...] Meine Hoffnung auf eine ökumenische Zukunft der Kirchen lasse ich mir nicht nehmen. Wir alle sind je nur ein Teil der einen Kirche Jesu Christi.!"
(Auszug aus einem dpa-Gespräch)
Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich, Catholica-Beauftragter der VELKD:
"Bei dem vorliegenden Text handelt es sich weder um ein Dogma noch um eine Enzyklika, sondern um eine Erklärung der Glaubenskongregration. Man sollte ihn also nicht zu hoch hängen und zu aufgeregt auf ihn reagieren. Mich bewegt weniger, was hier gesagt wird, als: wann es gesagt wird. Einen Tag, bevor mit dem Dokument "Communio Sanctorum" eine wichtige neue Gesprächsrunde zwischen den lutherischen Kirchen und Rom eröffnet werden sollte, wird Pius IX., der Inbegriff des römischen Zentralismus, zur Ehre der Altäre erhoben. Einen Tag danach veröffentlicht die Glaubenskongregation die Erklärung "Dominus Iesus", die das Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche in Erinnerung ruft. [...] das die eine katholische und apostolische Kirche und die römische Kirche nicht einfach deckungsgleich sind. [...] Als Lutheraner sehe ich uns hier keineswegs gleich als Kirche zweiter Klasse."
(06.09.2000 epd-Dokumentation 39/00)
Gunther Wenz, Professor für Theologie, Mitglied der Kommision des Lutherischen Weltbundes und des päpstlichen Einheitssekretariats:
"[...] In bestimmten Kreisen des Vatikans und auch beim Präfekten der Glaubenskongragation [...] scheint mir eine gewisse Angst gegeben zu sein, dass im Zuge der ökumenischen Verständigung die katholische Kirche ihre eigene Identität einbüssen könnte.[...] Die Reformation ist nicht angetreten, um als Konfession eine eigene Kirche zu gründen. Sondern um die eine, heilige, apostolische und allgemeine Kirche zu reformieren. Insofern gehört es zum evangelischen Bekenntnis, ökumenisch ausgerichtet zu sein. [...]"
(24.09.2000 Auszüge aus einem Interview im Rothenburger Sonntagsblatt)
Johanna Haberer, Beauftragte des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) für Rundfunk und Fernsehen:
"[...] Dass die jüngste römische Einlassung den aktuellen christlich-jüdischen Dialog empfindlich trifft, ist naheliegend; dass dies den überfälligen Dialog mit dem Islam praktisch unmöglich macht, ist für die europäische Gesellschaft fatal. [...] Es wird ein katholisches Problem sein, wie man in Zukunft gemeinsame Sozialpapiere verfasst, wenn die Formulierung "die Kirchen" nicht mehr möglich sein soll. [...] Statt der beschwichtigenden oder beleidigten oder enttäuschten Töne muss nun ein selbstbewusster Protestantismus das Wort ergreifen ohne falsche Rücksichtnahme, ohne Leisetreterei. Das sind wir unseren katholischen Schwestern und Brüdern schuldig, die seit Jahrzehnten an der Basis für die Ökumene arbeiten. Wir lassen uns nicht beirren, wir laden sie im Namen Gottes ein zu Brot und Wein. Denn wen Jesus Christus eingeladen hat, den kann kein Papst mehr ausladen."
(24.10.2000 Evangelisches Sonntagsblatt für Bayern Nr. 39)
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