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Chronologie des Glaubensstreits


Paulus In Anknüpfung an die Theologie des Apostel Paulus beschäftigt sich die Rechtfertigungslehre mit der Frage nach dem Gerechtwerden des Menschen vor Gott und ist damit ein Zentrum protestantischer Theologie.

Martin Luther (1483-1546) nahm in seinen Schriften diese sehr alte theologische Diskussion auf, die grundlegend für die Reformation wurde. Nach Luthers Lehre kann der Wert des Menschen und seine Existenzberechtigung vor Gott nicht durch Leistung erworben werden. Rechtfertigung, des immer auch sündhaften Menschen geschieht "allein durch den Glauben", so das Augsburger Bekenntnis von 1530.

Martin Luther Vor allem aufgrund ihrer unterschiedlichen Auffassung der Rechtfertigung trennten sich die reformatorischen Kirchen von der katholischen Kirche. Auf dem Konzil von Trient, das in drei Sitzungsperioden von 1545 bis 1563 tagte, verdammte die katholische Seite die protestantischen Positionen und warf unter anderem der lutherischen Seite vor, sie mißachte die Willensfreiheit des Menschen: Der Mensch könne sehr wohl durch Eigenleistung zu seinem Seelenheil beitragen.

Nach der Spaltung der Kirche im MA und den blutigen Auseinandersetzungen der Glaubenskriege ging die Bemühung um eine Einheit der getrennten Christen zunächst von protestantischer Seite aus. 1948 wurde schließlich in Genf der Ökumenische Rat der Kirchen gegründet. Die katholische Kirche nimmt seit Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils im Oktober 1962 aktiv an dieser ökumenischen Bewegung teil: Das Konzil wollte die katholische Kirche durch eine Reform ihrer Strukturen in eine neue Zeit führen und den Weg für die Einheit der Christen ebnen.

Papst Johannes Paul II. Im Mai 1995 würdigt Papst Johannes Paul II. in seiner Ökumene-Enzyklika "Ut unum sint" die bereits erzielten Dialogergebnisse und spricht sich für deren Umsetzung aus. Die Verpflichtung der katholischen Kirche zur Ökumene bezeichnet er als "unumkehrbar". Nach einem rund 30-jährigen Dialog gipfeln die ökumenischen Bemühungen in der Gemeinsamen Erklärung vom 31. Oktober 1999, die Katholiken und Lutheraner unterzeichnen: Der Text stellt einen "Grundkonsens" in der Rechtfertigungslehre fest und hebt zugleich die früheren Lehrverurteilungen auf. Als einen "wichtigen Schritt" innerhalb der Ökumene bewertet man vergangenes Jahr diese Erklärung.
(Den Text der GE können Sie hier downloaden.)

Desto mehr überrascht und bewegt viele Menschen die Erklärung Dominus Iesus. Das Dokument der von Joseph Kardinal Ratzinger geleiteten vatikanischen Glaubenskongregation hebt die Sonderstellung der katholischen Kirche als der nach ihrem Verständnis einzigen "wahren" Kirche hervor. Während die orthodoxen Kirchen als Schwesterkirchen anerkannt werden, stellen die reformatorischen Kirchen lediglich kirchliche Gemeinschaften dar.

Zwar sind diese Positionen nicht neu, aber ihre erneute Betonung erschwert ein ökumenisches Miteinander und stellt den Wert der im vergangenen Jahr unterzeichneten GE in Frage.

 
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