Den jüdischen NS-Opfern "ein kleines Stück ihrer
Würde zurückgeben"
Von
EPD Bayern
München - Von den ursprünglich mehr als 12.000
jüdischen Bürgern, die vor 1933 in München gelebt hatten,
wurden fast alle von den Nazis vertrieben, deportiert und
ermordet. Das Münchner Stadtarchiv ist seit 13 Jahren ihren
Lebensläufen und Schicksalen nachgegangen und legt jetzt
den ersten Band eines "Biografischen Gedenkbuchs der
Münchner Juden 1933 - 1945" vor. "Ziel des Projekts war es, möglichst viele Einzelinformationen zu jedem Menschen zusammenzutragen",
heißt es in einer Mitteilung der Landeshauptstadt München
vom Mittwoch.
Abstammung, Familienzusammenhänge, sozialer Hintergrund,
schulischer Werdegang, berufliche Laufbahnen werden
dokumentiert, Wohnadressen in München genannt. Schikanen
der Behörden, gesetzliche Maßnahmen des Unrechtsregimes
(Ausgrenzung und Enteignung), gescheiterte
Emigrationsbemühungen, die todbringenden Aktionen des
Systems (Deportation, Mord) oder auch der Suizid der Betroffenen werden aufgeführt. "Vor diesem
Hintergrund erhält der Leser des Gedenkbuchs einen Eindruck
von der Ungeheuerlichkeit der Geschehnisse, die zwischen
1933 und 1945 nicht nur in München stattfanden, und erfährt
zugleich von zerstörten Lebensentwürfen, gestohlenen
Hoffnungen und vernichteten Existenzen", heißt es in der Mitteilung.
"Es ist ein besonderes Anliegen der Publikation, den aus
der kollektiven Erinnerung getilgten jüdischen Opfern des
NS-Regimes auf diese Weise ein kleines Stück ihrer
menschlichen Würde und Integrität zurückzugeben."
Im "Biografischen Gedenkbuch" sind Kurzbiografien von
4.596 Menschen enthalten. Der 2004 erscheinende zweite
Teilband wird ein umfangreiches Glossar enthalten (unter
anderem Erklärungen zu den Deportationen und Informationen
zu den Orten, an denen die Münchner Juden ums Leben kamen).
Im Rahmen der Recherchen wurden auch biografische Daten zu
den mehr als 8.000 aus München vertriebenen und
geflüchteten Juden dokumentiert. Diese Biografien sollen zu
einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden. Der erste
Band des Gedenkbuches wird am Donnerstag, 11. Dezember, von
Oberbürgermeister Christian Ude und Vertretern der
Israelitischen Kultusgemeinde München im Kleinen
Sitzungssaal des Münchner Rathauses vorgestellt werden.
(Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933 -
1945, Band 1
871 Seiten, ISBN 3-00-012626-0, 49 Euro. Kontakt: Dr.
Andreas Heusler, Stadtarchiv München, Telefon 233-30815,
Fax 233-30830, email: andreas.heusler@muenchen.de)
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